Herpes an Mundwinkel, Kinn und um den Mund
Herpes hält sich nicht immer an die Lippe. Dieselben Viren, die Lippenherpes auslösen, können auch die angrenzende Haut treffen: den Mundwinkel, das Kinn oder die Partie zwischen Lippe und Nase. Mediziner sprechen dann von Herpes perioralis, also Herpes um den Mund.
Hier lesen Sie, woran Sie Herpes an diesen Stellen erkennen, wie er sich von ähnlichen Beschwerden unterscheidet und warum die Grenze zwischen Haut und Mundschleimhaut für die Behandlung wichtig ist.
Verfasst von der Robugen Gesundheitsredaktion · Geprüft: Juli 2026
Dasselbe Virus, andere Stelle
Lippenherpes entsteht, wenn ruhende Herpes-simplex-Viren wieder aktiv werden und entlang der Nervenbahnen zur Haut wandern. Welcher Ort dabei betroffen ist, entscheidet das Versorgungsgebiet der jeweiligen Nervenäste. Meist ist das der Übergang vom Lippenrot zur Haut. Es kann aber auch die angrenzende Gesichtshaut sein: der Mundwinkel, das Kinn oder die Partie oberhalb der Oberlippe. Für diese Fälle gibt es einen eigenen Begriff, Herpes perioralis.
Am Ablauf ändert der Ort nichts. Die Episode kündigt sich mit Spannen, Kribbeln oder Brennen an, dann folgen gruppierte Bläschen, offene Stellen, Kruste und Abheilung, meist innerhalb von ein bis zwei Wochen. Auch die Regeln sind dieselben: früh reagieren, Hygiene einhalten, die Stelle in Ruhe lassen. Was in der Frühphase zu tun ist, lesen Sie im Artikel Lippenherpes im Anfangsstadium.
Die typischen Stellen um den Mund
Am Mundwinkel
Der Mundwinkel ist mechanisch die unruhigste Stelle des Gesichts, ständig in Bewegung beim Sprechen, Essen und Lachen. Herpes-Bläschen reißen hier leichter auf, und die Abheilung dauert gefühlt länger. Wichtig ist die Abgrenzung zu eingerissenen Mundwinkeln, die ganz ohne Bläschen und Vorwarnung entstehen. Die Unterschiede im Detail zeigt der Artikel Ist das überhaupt Herpes?
Am Kinn und um den Mund
Auf der Haut von Kinn und Mundpartie sehen Herpes-Bläschen oft anders aus als erwartet und werden deshalb gern für Pickel oder eine Rasurreizung gehalten. Die Erkennungszeichen bleiben dieselben: das Kribbeln vor der sichtbaren Veränderung, mehrere gruppierte Bläschen auf gerötetem Grund und bei Wiederkehrern die vertraute Stelle. Männer sollten während einer Episode beim Rasieren besonders vorsichtig sein: Die Klinge kann Virusflüssigkeit verteilen. Die betroffene Stelle aussparen und die Klinge nach der Episode wechseln.
Zwischen Lippe und Nase
Auch die schmale Hautzone oberhalb der Oberlippe gehört zur perioralen Region. Bläschen, die höher Richtung Nase oder gar Richtung Auge wandern, sind dagegen ein Fall für ärztlichen Rat, ebenso jede ungewöhnlich großflächige Ausbreitung im Gesicht.
Die wichtige Grenze: Haut oder Schleimhaut?
Für die Selbstbehandlung entscheidend ist eine Grenze, die viele nicht kennen: die zwischen äußerer Haut und Mundschleimhaut. Herpes um den Mund betrifft die Haut, und dafür sind die Mittel zur Selbstbehandlung gemacht.
Dazu kommt: Wunde, schmerzende Stellen im Mundinneren sind in den allermeisten Fällen gar kein Herpes, sondern Aphthen, die von selbst abheilen und nicht ansteckend sind. Die Ausnahme ist die sogenannte Mundfäule, die Herpes-Erstinfektion vor allem bei kleinen Kindern, mit vielen Bläschen im ganzen Mundraum und Fieber. Sie gehört immer in ärztliche Behandlung. Als Faustregel für die Selbstbehandlung gilt deshalb: außen ja, innen nein.
Wann zum Arzt oder zur Ärztin?
Für Herpes um den Mund gelten die gleichen Grenzen wie am Lippenrot: ärztlicher Rat bei Episoden, die nach 14 Tagen nicht abgeheilt sind, bei ungewöhnlich heftigen oder großflächigen Verläufen, bei Bläschen in Augennähe und bei mehr als sechs Episoden pro Jahr. Dazu kommen die besonderen Gruppen: Schwangere, Stillende, Immungeschwächte und das Umfeld von Neugeborenen. Und alles, was im Mundinneren spielt, ist kein Fall für die Selbstmedikation.
Einordnung im Verlauf
Eine Lippenherpes-Episode folgt einem typischen Muster in fünf Stadien, vom ersten Kribbeln bis zur Abheilung. Wählen Sie ein Stadium, um zu sehen, was in dieser Phase passiert und welcher Ratgeber weiterhilft.
Rötungsphase
ca. Tag 1: Jucken, Kribbeln, Brennen oder ein Spannungsgefühl an der Lippe kündigen die Episode an, bevor etwas zu sehen ist. Jetzt ist der beste Zeitpunkt, mit der Behandlung anzufangen.
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Bläschenphase
ca. Tag 2: Es entstehen schmerzhafte, flüssigkeitsgefüllte und hochinfektiöse Bläschen, die auch nässen können. Möglich sind zudem Juckreiz an der Lippe und ein Anschwellen der Lymphknoten.
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Wundphase
ca. Tag 3: Die Bläschen brechen leicht auf, wenn sie unvorsichtig berührt werden. Es bilden sich schmerzhafte, nässende Wunden.
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Verkrustungsphase
ca. Tag 4–9: Bei normalem Verlauf schließen sich die Bläschen von selbst und bilden juckende Krusten und Schorf. Der Schorf ist der körpereigene Wundverband. Die Kruste sollte deshalb von allein abfallen.
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Abheilungsphase
ca. Tag 7–10: Unbehandelt ist Lippenherpes meist nach etwa 7 bis 10 Tagen ohne Narbenbildung abgeheilt. Die frische Haut ist anfangs noch empfindlich und sollte vor UV-Strahlung geschützt werden.
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Häufige Fragen
Ist Herpes am Kinn dasselbe wie Lippenherpes?
Es ist dasselbe Virus und derselbe Mechanismus. Die Viren ruhen in einem Nervenknoten und wandern bei einer Reaktivierung entlang der Nervenbahnen zur Haut. Je nachdem, welche Nervenäste betroffen sind, erscheinen die Bläschen am Lippenrot oder auf der angrenzenden Haut, etwa am Kinn. Verlauf und Stadien sind gleich. Handelt es sich jedoch um einen größeren Flächenbefall, kann auch eine Herpes-Zoster-Infektion (Gürtelrose) dahinterstecken. Bei großflächigem Befall ist deshalb, wie oben beschrieben, eine ärztliche Vorstellung empfohlen.
Woran erkenne ich, ob es Herpes am Mundwinkel ist oder eingerissene Mundwinkel?
Herpes kündigt sich mit Kribbeln oder Brennen an und bildet gruppierte, flüssigkeitsgefüllte Bläschen. Eingerissene Mundwinkel sind dagegen Risse in trockener, gereizter Haut ohne Bläschen und ohne Vorwarnung. Im Zweifel hilft der Blick auf den Verlauf über ein bis zwei Tage: Entstehen Bläschen, spricht das für Herpes.
Kann ich Herpes im Mundinneren selbst behandeln?
Nein. Mittel zur Selbstbehandlung von Herpes sind für die Anwendung auf der Haut vorgesehen, nicht für die Schleimhaut im Mund. Wunde Stellen im Mundinneren sind zudem meist gar kein Herpes, sondern Aphthen. Viele schmerzhafte Bläschen im ganzen Mundraum, vor allem bei Kindern und mit Fieber, können auf eine Mundfäule hindeuten und gehören in ärztliche Behandlung.
Was ist mit Herpes an der Nase?
Auch am Naseneingang und an der Nase kann Herpes auftreten, oft besonders unangenehm, weil die Haut dort empfindlich ist. Lassen Sie sich für die Behandlung an der Nase in der Apotheke beraten. Bläschen in Richtung Auge sollten Sie immer ärztlich abklären lassen, denn eine Herpesinfektion am Auge braucht augenärztliche Behandlung.
Ist Herpes um den Mund genauso ansteckend wie an der Lippe?
Ja. Die Bläschenflüssigkeit ist an jeder Stelle hochansteckend. Es gelten dieselben Regeln wie bei Lippenherpes: die Stelle nicht berühren, Hände waschen, eigene Handtücher und Gläser benutzen, kein Küssen, bis alles abgeheilt ist.
Aus dem Magazin
Lippen-Routine bei Herpes
Quellen
- • Gebrauchsinformation VIRUDERMIN® Gel (ROBUGEN GmbH): Anwendungsgebiete und Anwendung.
- • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Lippenherpes. gesundheitsinformation.de
- • Apotheken Umschau: Lippenherpes. Ursachen, Therapie, Vorbeugung. apotheken-umschau.de
- • [1] A. Buchele; R. Kaul: „Zinksulfatgel gegen Herpes simplex“, Deutsche Apotheker Zeitung 138(6), 1998, S. 57–60.